17. DEAGo am 04.03.2012

Die SPUR verloren

Mitten in der Kirche zwei lebensmüde Gestalten auf einem Hochhaus-Fenstersims zu erleben, gehört nicht zu den normalen Gottesdienstbestandteilen. Aber im etwas anderen Gottesdienst in Pesterwitz ist sowas möglich. Sarah und Franz aus der Jungen Gemeinde spielten zu Beginn sehr überzeugend zwei Personen, die mit dem Leben nicht mehr klar kamen und sich aus dem 14. Stock stürzen wollten.

Es ging aber nicht so nervenkitzelnd weiter. Wolfgang Tost spielte souverän seine Gitarre, ganz gleich ob ein modernes oder ein jahrhunderte altes Lied auf dem Programm stand. Mit einem Zitat von Mark Twain führte Wolfgang Freitag die Zuhörer gedanklich zum Predigttext: „Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen, ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.“ Im Gleichnis vom verlorenen Schaf lässt der Hirte 99 Schafe allein zurück, um sich nach einem einzigen auf die Suche zu begeben. Dieses eine Schafist ihm so wichtig wie alle 99 anderen auch. Und aus Liebe zu ihm setzt er alles daran, es zu retten. Bei Gott – dem Gott der Liebe – zählt nicht nur das große Ganze, sondern er ist auf der Suche nach dem, der im Begriff ist, die Spur zu verlieren oder der sie bereits verloren hat.

Beim Imbiss im Anschluss an den Gottesdienst konnte man sich in der kalten sternenklaren Nacht an einem Becher heißen Tee erwärmen und mit seinen Freunden über das Gehörte und Gesehene austauschen.