Pesterwitz
Predigt – 15.03.2026 Bibelwoche: "Wo die Verängstigten Mut finden"
Wo die Verängstigten Mut finden, steht Gott zwischen den Zeilen
Es begab sich in uralten Tagen im Reich der Perser. Da gab es eine kleine Jüdische Gemeinschaft im Exil. Sie lebten treu ihren Glauben in der Fremde.
Mordechai war ein frommer Jude, anständig und ohne Tadel. Und Ester, seine Pflegetochter, war eine bildhübsche, aufrechte und mutige junge Frau. Sie gefiel dem Perserkönig und er ernannte sie zu Königin. Es gab aber einen hohen Beamten am Königshof, mit Namen Haman, machthungrig und skrupellos. Alle Menschen sollten sich vor ihm verneigen. Mordechai tat dies nicht, denn er verneigte sich nur vor Gott allein. Das gefiel dem Haman überhaupt nicht und er trachtete danach, das ganze Jüdische Volk in der Stadt zu vernichten. Ein königlicher Brief wurde geschrieben. Die Juden bekamen Angst um ihr Leben. Mordechai bat Ester, etwas für ihr Volk zu erwirken. Und diese junge Frau handelte.
Wir hören aus dem Buch Ester im 7. Kapitel (BasisBibel).
So kamen der König und Haman zum Gelage von Königin Ester.
Als der König Wein getrunken hatte, fragte er Ester […]:
»Was ist deine Bitte? Sie soll dir erfüllt werden. Was wünschst du? Es soll geschehen.
Du bekommst es, Königin Ester, auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!«
Da antwortete Königin Ester: »Habe ich Gnade gefunden bei dir, König?
Und gefällt es dem König? Dann lass mich am Leben – das ist meine Bitte.
Und lass mir mein Volk – das ist mein Wunsch.
Denn man hat uns verkauft, mich und mein Volk. Man will uns ausrotten, töten, vernichten.
Wenn wir als Sklaven und Sklavinnen verkauft würden, dann würde ich schweigen.
Dann wäre die Not nicht so groß, dass es recht wäre, den König damit zu belästigen.«
Da sagte König Xerxes zu Königin Ester:
»Aber wer hat vor, so etwas zu tun? Wer ist das und wo ist er?«
Ester antwortete: »Der Gegner und Feind ist Haman, dieser Verbrecher!«
Haman bekam Angst vor dem König und der Königin.
Voll Zorn stand der König auf. Er verließ das Festessen und ging in den Garten des Palastes. Haman blieb und flehte Königin Ester um sein Leben an. Denn er musste erkennen,
dass der König seinen Tod beschlossen hatte. Dann kam der König aus dem Garten des Palasts zurück und ging in den Saal zum Gelage. Haman hatte sich vor der Liege zu Boden geworfen, auf der Ester zu Tisch lag. Da schrie der König: »Wird jetzt auch noch die Königin angegriffen, direkt vor mir in meinem Haus?«
Kaum hatte der König das gerufen, bedeckte man Hamans Gesicht.
Dann sagte Harbona, einer der Eunuchen, zum König: »Der Galgen wartet schon.
Den hat Haman selbst bauen lassen – für Mordechai, der doch für den König eingetreten ist.
Er steht bei Hamans Haus und ist 25 Meter hoch!« Der König befahl: »Hängt Haman daran auf!« Da hängten sie Haman an den Galgen, den er für Mordechai aufgestellt hatte.
Der Zorn des Königs legte sich.
Liebe Gemeinde,
es ist ein ungewöhnliches Buch, das dieses Jahr zum Thema der Bibelwoche erkoren wurde, märchenhaft wie Tausendundeine Nacht, spannend wie der Tatort oder eine Netflix-Serie: Das Buch Ester. Innerhalb der Bibel wirkt es sonderbar. Gott wird in keinem einzigen Vers namentlich erwähnt. Darüber hinaus steckt das Buch aber voller Wahrheiten über das menschliche Zusammenleben – wie schwer politische Macht wiegt und wie sie missbraucht werden kann, wenn selbstsüchtige, niederträchtige Menschen sie in die Finger kriegen; welcher Glanz darauf liegt, wenn mutige Menschen im richtigen Moment sich trotz aller Widrigkeiten für die Unterdrückten einsetzen. Ein ganzes Fest gründet sich auf dem Esterbuch, das Jüdische Purimfest, beliebt vor allem bei Kindern, die sich jedes Jahr in die Rollen der Geschichte verkleiden.
Allerdings hat das Buch auch eine schwierige Wirkungsgeschichte. Es wurde von uns Christen lange missverstanden, wurde missbraucht, um Vorurteile über Juden zu schüren und zu verfestigen. Bis heute steht es in der Gefahr, politisch missbraucht zu werden.
Ich möchte heute gerne dieses schillernde Buch in mehreren Facetten betrachten. Wir setzen uns nacheinander drei verschiedene Brillen auf und schauen durch die jeweiligen Gläser in das Buch hinein. Ich biete Ihnen drei Brillen an: das literaturwissenschaftliche Beobachtungsglas, eine Schutzbrille der Warnung sowie zuletzt die Brille der Hoffnung.
Erstens: Durch das literaturwissenschaftliche Forscherglas betrachtet – Das Esterbuch als Fiktion und Wahrheit zugleich
Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum: Das Buch Ester ist kein Tatsachenbericht.[1] Ester ist höchstwahrscheinlich ein fiktiver Roman mit fiktiven Charakteren. Aber dieser Roman ist nicht einfach nur eine Erfindung und erst recht kein Fake. Er bündelt Erfahrungen von ganzen Generationen, insbesondere Erfahrungen von Juden, die in der Fremde, in der Diaspora lebten. Oft wird das Buch daher eine Diasporanovelle genannt. Man kann Ester auch als einen „historischen Roman“ bezeichnen im Sinne einer literarischen Erzählung, eingekleidet in das Gewand einer bestimmten Zeit, aber nicht im strengen Sinne historisch.
Da ist allein schon der Name des Perserkönigs, im Hebräischen Original Achaschwerosch, ein sprachlicher Kauderwelsch, der in den Ohren Hebräischer Hörer irgendwie orientalisch klingt, aber nur über mehrere Umwege auf echte Perserkönige passt.[2] Die späteren Übersetzungen deuteten ihn auf Könige, die man von den antiken Geschichtsschreibungen kannte, aber auch nicht einheitlich. In manchen Übersetzungen taucht Xerxes auf, in anderen Artaxerxes.[3] Ein Edikt zur Vernichtung der Juden ist außerbiblisch nirgendwo erwähnt und es passt auch nicht zur Persischen Toleranzpolitik. Allerdings passt es auf die militante Religionspolitik einer späteren Epoche, als nicht mehr die Perser, sondern die Griechen über den Vorderen Orient herrschten. Womöglich hat man sich im Estherbuch einer fiktiven Vergangenheit bedient, um die realen Probleme der Gegenwart zu kritisieren.[4] Dazu passt auch, dass das Buch voll ist mit Charaktertypen, die jeweils nicht nur für einen einzelnen Menschen stehen, sondern für einen Typus Mensch.
Da gibt es den vorbildhaft frommen Juden Mordechaj, der sich einzig und allein seinem Gott unterwirft und sich daher dem Hohen Beamten Haman nicht zu Füßen legt. Und genau dieser Haman ist der geborene Antagonist: ein niederträchtiger Charakter, der rücksichtslos nach Macht strebt, nach unten tretend und nach oben buckelnd, für eigenes Unvermögen einen Schuldigen sucht und in der Jüdischen Gemeinschaft findet. Und nicht zuletzt gibt es die kluge und mutige Esther: durch königliche Willkür zur Königin gekrönt, ohne größere Machtbefugnisse im Reich, aber mit dem Herz am rechten Fleck und mit den Waffen einer Frau im richtigen Moment zur Stelle, um großes Unrecht zu verhindern.
Gemäß den Grundsätzen antiker Rhetorik hat der Roman drei Ziele: das Esther-buch möchte belehren, unterhalten und erfreuen. In das Feld der Belehrung fällt etwa die erzählerische Ausgestaltung biblischer Weisheitssprüche. Im Sprüchebuch steht der berühmte Satz: „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst herein.“ (Sprüche 26, 27) Das zeigt sich ganz exemplarisch am Schurken Haman. Er wollte seinen Gegner Mordechai aus niederen Beweggründen erhängen lassen und hängt letztlich selbst. Für die Schriftkundigen eröffnet das Estherbuch mehrere Zitate und bietet damit Schriftauslegung innerhalb der Schrift. So spricht Esther etwa im Predigttext davon, dass die Gefahr schlimmer ist, als versklavt zu werden. Wer die Bibel genau kennt, denkt unweigerlich an den Verkauf des Josef durch seine Brüder und vor allem an die Sklaverei des Volkes Israel in Ägypten.
Darüber hinaus gibt es Unterhaltung. Esther ist ein guter Krimi. Verschiedene Handlungsfäden, die erst lose erscheinen, sind am Ende miteinander verwoben. Womöglich ist der heutige Predigttext, die mutige Interaktion der Esther vor dem König, ein Höhepunkt der Spannung.
Und nicht zuletzt bietet das Estherbuch zur Freude der Lesenden großartige Satire in Form maßloser Übertreibung. Die riesige Arroganz des Haman zeigt sich in der übertriebenen Höhe des Galgens, laut Textbericht umgerechnet 25 Meter hoch. Sein Hochmut wird zum Fallstrick. Bis heute ist Satire das wirksamste politisches Instrument gegen jede Form der Diktatur. Und gemäß meiner Wahrnehmung haben wir in Deutschland sehr bissige Satire in verschiedenen politischen Varianten. Solange es Satire gibt, leben wir in einer freiheitlichen Gesellschaft. Esther arbeitet satirisch gegen einen unterdrückerischen Typus Mensch, der sich exemplarisch in Haman zeigt. Dabei gibt es mehrere Pointen. Mordechai weigert sich, vor Haman niederzuknien. Das erzürnt den Hochmütigen. Am Ende aber kniet Haman vor der Königin. Die finale Demütigung kommt noch, denn die devote Bitte um Überleben wird vom König als Bedrängung und damit als eine Form sexualisierter Gewalt gedeutet. Haman wollte die eigenen Machtinteressen auf Kosten anderer durchdrücken. Nun scheitert er an den Machtinteressen des Königs, der seine Perle Esther für sich behalten möchte. Haman ereilt die Todesstrafe durch den König, den er zuvor manipulieren wollte. So gesehen wirkt Haman am Ende irgendwie absurd, wie eine Karikatur eines Bösewichts und damit auf eine seltsame Art und Weise komisch. Allein: Das Buch verzichtet auf jede Form der Schadenfreude. Es bleibt ein nüchterner Kommentar. Der Zorn des Königs legte sich. Und Mordechai und Ester atmen auf.
Zweitens: Das Esterbuch durch die Schutzbrille betrachtet – missverstanden und missbraucht
Es hat einen Grund, dass wir im Protestantismus keine Heiligen verehren. Selbst unsere größten Vorbilder haben eine Schattenseite. Martin Luther – Freund des Humors, der Musik, feinsinnig im Denken und der Sprache – hat die literarische Qualität des Buches Esther nicht verstanden. Er hat die antijüdischen Ressentiments seiner Zeit direkt mit dem Buch verbunden und sie damit für die Nachwelt manifestiert in seiner scheußlichen Schrift „Von den Jüden und iren Lügen“. Hier zeigt der Reformator sein hässliches Gesicht, von Gebrechen gebeugt, altersstarrsinnig und enttäuscht, dass die Juden trotz seiner reformatorischen Bemühungen nicht zum Christentum konvertieren: „O wie lieb haben sie [sc. die Juden] das Buch Ester / das so fein stimmet auff ire blutdürstige / rachgyrige / mörderische begir und hoffnung / Kein blutdürstigeres und rachgyrigeres Volck hat die Sonnen je beschienen / als die sich dünken lassen / Sie seien darumb Gottes Volck / das sie sollen und müssen / die Heiden / morden und würgen.“[5]
Hier finden sich alle Vorurteile, die im Mittelalter Jüdischen Menschen entgegengeschleudert wurden: Rache, Gier, Arroganz, Heuchelei. Aufgrund dieser Vorurteile zuzüglich des Vorwurfs, sie wären schuld an der Kreuzigung Jesu, wurden sie allzu oft durch Progrome heimgesucht – Progrome, wie sie im Buch Ester thematisiert werden. Das Buch Esther hat ein schwieriges Ende. Dort werden die Feinde der Juden gewaltvoll vernichtet. Wichtig ist dabei zweierlei: Erstens, das ist nie passiert, es wie schon gesagt fiktiv. Und zweitens ist es gemäß der Biblischen Darstellung eine Art Notwehr, da das Königliche Edikt zur Vernichtung ja bereits amtlich war. So eine Notwehr konnte in der Geschichte des Volkes Israel in Biblischen Zeiten nicht passieren, da das Volk den damaligen Großmächten völlig unterlegen war. Das Ende des Estherbuches stellt daher keinen Mordaufruf dar. Es entwirft gegen alle schlimmen Erfahrungen eine Hoffnung darauf, dass alle böswilligen Verfolger erzittern.
Wie schon gesagt wurde das Buch Esther – u.a. von Martin Luther – für antijüdische Propaganda missbraucht. Aber der Missbrauch kann auch in eine andere Richtung gehen. Dieses Jahr, Ende Februar, wenige Tage vor dem Purimfest startete der militärische Angriff der USA und Israel gegen den Iran. Dazu gab es eine Rede des Premierministers Netanjahu.[6] Er glorifizierte den Angriff: So wie vor mehr als 2000 Jahren Haman, wolle auch das iranische Mullah-Regime das jüdische Volk auslöschen. Doch stattdessen werde das Regime so scheitern, wie Haman einst scheiterte.
Natürlich hat der Angriff eine Vorgeschichte. Ich denke an die entsetzlichen Massaker an der Zivilbevölkerung im Iran, die vielfach kritisierten Fälle von Menschenrechtsverletzungen, die Unterdrückung von Frauen und Minderheiten durch ein Regime, welches das Existenzrecht Israels in Frage stellt und mit militärischen Mitteln droht. Aber dennoch verspüre ich persönlich Bauchschmerzen, wenn Gewalt religiös legitimiert wird, von welcher Religion auch immer. Umso wichtiger erscheint mir die historisch-kritische Einordnung des Buches bei gleichzeitiger Hochschätzung des literarischen und theologischen Wertes. Und so komme ich zum dritten und letzten Punkt:
Das Esterbuch durch die Brille der Hoffnung – Theologie, ohne Gott beim Namen zu nennen
Was im Predigttext beschrieben wird, ist ein Zeichen der Hoffnung gegen allen Anschein. Da kommt Esther in den Königshof, sie als Frau in patriarchalen Zuständen, ein amtlicher Tötungsbeschluss ist schon beschlossen und besiegelt. Was soll sie schon machen? Und doch handelt sie, greift nach dem letzten Strohhalm, handelt mit dem Mut der Verzweiflung.
Das Estherbuch ist ein zutiefst menschliches Buch. Hier wird nichts verklärt. Der Konflikt löst sich nicht durch ein Wunder. Er löst sich, weil Menschen so sind wie sie sind und manchmal die destruktiven Kräfte sich gegen die Menschen richten, welche sie entfachten. Esther appelliert nicht an die Moral des Königs, dessen Pflichtbewusstsein. Sie weiß, dass sie gewinnen kann, wenn sie dem König ihre Verletzung als Verletzung der Königsehre verkaufen kann. Schließlich gilt sie als Königin ja als höchste Zierde des Königshauses und damit lässt sich ihr Ehrverlust als schwerer Angriff auf die Ehre des Königs anführen. Das Unrecht wird vereitelt, indem die Eitelkeit des Haman von der Eitelkeit des Königs überstochen wird. Manchmal gibt es noch eine Art Gerechtigkeit innerhalb der Ungerechtigkeiten dieser Welt, selbst wenn alles verloren scheint.
Das Estherbuch ist von seiner Entstehung her ein großes Trostpflaster für eine traumatisierte, leiderfahrene Leserschaft. Für eben diese Leserschaft dient es nicht dazu, rachsüchtig zu den Waffen zu greifen. Für traumatisierte Menschen ist die Politsatire des Estherbuches ein Grund zum befreiten Lachen und zur Freude, zum Aufatmen.[7]
Womöglich braucht das Estherbuch noch mehr Kontext, um mehr zu sein als eine bissige Satire auf menschliche Zustände in dieser Welt. Das Estherbuch ergänzt sich mit allen biblischen Verheißungen darauf, dass Gottes Liebe stärker ist als jede Gewalt. Das Estherbuch sollte gewissermaßen mit dem Anhang dieser Verheißungen gelesen werden, die nicht erst im Neuen Testament aufscheinen, sondern schon in den Prophetenbüchern des Alten Testaments. Dort steht es ja in blühenden, leuchtenden Farben, wie es sein wird, wenn der Friede obsiegt, wenn Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden (Micha 4,3; Jesaja 2,4), wenn das Lamm neben dem Wolf weidet (Jesaja 65,25).
Es ist mein persönlicher Glaube in Demut vor Gott: Wir Menschen werden diesen universalen, endgültigen Frieden nicht herstellen können. Aber wir können unseren Teil tun und uns am Mut der Esther orientieren: miteinander sprechen und dabei wahrhaftig und ehrlich sein, Menschenfeindlichkeit und Unrecht nicht verschweigen. Und wir können träumen von einer Welt, in der das Unrecht nicht nur verhindert wird wie im Estherbuch, sondern der göttliche Friede in Gänze aufblüht. Hin und wieder gibt es Zeichen dafür.
Am Freitag trafen sich hier in Pesterwitz mehrere Dutzend Menschen im Leisepark, um eine frisch gepflanzte Friedenseiche mit Wasser zu begießen, als Zeichen gegen den Krieg und für eine friedlichere Welt. Im Rahmen dieser Pflanzung zitierte ich als Pfarrer den Jüdischen Dichter Shalom Ben Chorin, ein Gedicht[8], geschrieben mitten im Zweiten Weltkrieg:
Freunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?
Und der Friede Gottes, der viel größer ist als unsere menschlichen Pläne und Geltungsansprüche, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
Fürbitten
Großer Gott, wir bitten dich
für die Menschen, die sind wie Mordechaj:
demütig vor deiner Macht und unbeugsam gegenüber menschlichem Hochmut, mit moralischem Kompass und Sinn für die Gemeinschaft.
Segne und behüte sie. Lass sie nicht zu Grunde gehen durch Gewalt und Terror. Gib uns allen die Kraft, ein wenig Mordechaj zu sein.
Großer Gott, wir bitten dich
für die Menschen, die sind wie Esther,
mutige Frauen, die sich trotz struktureller Benachteiligung und Unterdrückung nicht unterkriegen lassen;
für Menschen, die sich von widrigen Umständen nicht entmutigen lassen, sondern tätig werden, dem Unrecht und der Gewalt widerstehen.
Stärke und beschütze sie. Gib uns allen den Mut, zu protestieren und zu handeln, wenn Menschen in unserem Umfeld diskriminiert werden.
Großer Gott,
wir bitten dich für Menschen wie Haman,
die gefangen sind in ihrer Selbstsucht und im blinden Hass gegen alles,
was ihrer Macht und ihren Privilegien zu bedrohen scheint.
Lenke sie zur Umkehr. Gib uns allen neue Einsicht, wenn wir blind werden vor Wut oder nicht mehr fähig sind, einfühlsam und mitmenschlich zu leben.
Durch Jesus Christus hast du uns gezeigt, wie es geht.
Mit seinen Worten beten wir als deine geliebten Kinder.
Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
[1] „Ein Jude als Wesir am persischen Hof […] ist höchst unwahrscheinlich, und ein persischer König, der im eigenen Reich einen Bürgerkrieg genehmigt […] völlig undenkbar.“ Erich Zenger: Das Buch Ester, in: Erich Zenger u.a.: Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 82012, S. 381. Vgl. weiterhin Esther Brünenberg-Bußwolder, Art. „Ester / Esterbuch“ (erstellt Dezember 2006), in: WiBiLex, online einsehbar unter https://bibelwissenschaft.de/stichwort/17832/; vgl. weiterhin Annette M. Boeckler: Einleitung in das Buch Ester, in: Sebastian Rink / Jochen Wagner (Hrsg.): Vom Feiern und Fürchten. Zugänge zum Buch Ester, Neukirchen-Vluyn 2025, S. 14–34.
[2] In der Einleitung von Annette M. Boeckler heißt es dazu augenzwinkernd: „[…] so als würde ein deutscher Text einen Chinesischen Kaiser „Kling Klang Hui“ nennen – das mag für unwissende zwar chinesisch klingen, ist aber reines Kauderwelsch mit deutschen Silben.“ Annette M. Boeckler: Einleitung, S. 15.
[3] Vgl. ebd.
[4] Dieses Phänomen ist in Biblischen Texten nicht unüblich. Vergleichbar ist die unter den Eindrücken von Christenverfolgungen im Römischen Reich entstandene Offenbarung des Johannes im Neuen Testament. Dort begegnet das Römische Reich nicht namentlich, sondern unter der Chiffre „Hure Babylon“ (Offenbarung 17–18).
[5] Zitiert nach: Annette M. Boeckler: Einleitung, S. 32.
[6] Vgl. Martin Schlorke: Operation „Epischer Zorn“, in: DER SONNTAG, Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, 81. Jahrgang Nr. 12 vom 15. März 2026, S. 7.
[7] Eine ähnliche politische Theologie zeigt sich im Neuen Testament innerhalb des berühmten Magnificat der Maria: „ER stößt die Gewaltigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ (Lukas 1, 52).
[8] Zu den Hintergründen und dem Text vgl. Mechthild Alber: SWR2 Lied zum Sonntag „Freunde, dass der Mandelzweig“, veröffentlicht am 03. März 2018, online einsehbar unter https://www.kirche-im-swr.de/?page=beitraege&id=26049.